Kerzen ziehen Anleitung (Tauchkerzen) – mit Bienenwachs oder Kerzenresten
Kerzenziehen ist eine der ältesten Kerzen-Techniken überhaupt: Statt Wachs in Formen zu gießen, wächst die Kerze Schicht für Schicht durch wiederholtes Eintauchen in flüssiges Wachs. Das fühlt sich erstaunlich ruhig, rhythmisch und „handgemacht“ an – und genau deshalb lohnt sich das heute noch.
Der besondere Fokus hier: Bienenwachs (für Duft, Farbe und Tradition) – und die Upcycling-Variante Kerzen ziehen aus Kerzenresten, wenn du aus Resten wieder schöne, neue Stabkerzen machen willst.
Kurzstart: so funktioniert Kerzenziehen
- Wachsbad vorbereiten (hoch genug, Wasserbad, Thermometer).
- Dochte zuschneiden (länger als die Zielkerze) und an einer Stange aufhängen.
- Vorwachsen (ein kurzer Tauchgang, damit der Docht „stabil“ wird).
- Rhythmus: eintauchen → abtropfen → abkühlen → wieder eintauchen.
- Geradeziehen und zwischendurch die Oberfläche glätten.
- Finish: Länge trimmen, Docht kürzen, optional polieren.
Was du brauchst (Bienenwachs-Setup ohne Kerzenziehmaschine)
Du brauchst keine Kerzenziehmaschine. Ein hoher Topf im Wasserbad + eine Stange zum Aufhängen reichen. Wenn du gleichmäßige Ergebnisse willst, sind Thermometer und ein sauberer Gießtopf die zwei größten Qualitätshebel.
Docht-Set (Baumwolle)
Thermometer
Schmelztopf / Gießtopf
Starter-Set (Tools + Basics)
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Ein Hauch Geschichte (kurz, aber wichtig)
Tauchkerzen sind so alt, weil sie mit einfachen Mitteln funktionieren: ein Docht, ein Wachsbad, Geduld. Historisch war Bienenwachs ein hochwertiges Material – sauberer, angenehmer im Geruch und dadurch lange Zeit vor allem dort verbreitet, wo Qualität zählte (z. B. in religiösen Kontexten und Werkstätten). Heute ist das Schöne: Du kannst dir diese Technik ohne Spezialgeräte zurückholen – am Küchentisch, aber mit sauberen Sicherheitsregeln.
Kerzen ziehen: Schritt-für-Schritt-Anleitung
Du bekommst die besten Ergebnisse, wenn du Temperatur und Rhythmus stabil hältst. Wenn etwas nicht klappt: nicht „schneller“ werden – sondern das Wachsbad justieren.
1) Material wählen: Bienenwachs, Kerzenreste – oder beides
Bienenwachs ist ideal für Tauchkerzen: es riecht angenehm, wirkt „warm“ und baut schöne Schichten auf. Kerzenreste eignen sich sehr gut zum Üben und für „rustikale“ Kerzen – mit einem Extra-Schritt: Du solltest sie filtern, damit Dochtstücke, Rußkrümel oder Deko-Teile nicht im Wachsbad landen.
Geheimtipp (Upcycling, aber sauber): Kerzenreste grob brechen, im Wasserbad schmelzen, dann durch ein feines Metallsieb (oder ein sauberes Baumwolltuch) in ein zweites Gefäß abgießen. So bleibt dein Wachsbad klar – und die Kerzen werden ruhiger im Brennen.
2) Docht vorbereiten (entscheidet über Gerade & Brennverhalten)
Schneide pro Kerze einen Docht zu, der 5–8 cm länger ist als deine Zielkerze. Hänge die Dochte an eine Stange (z. B. Holzstab, Kochlöffel oder Metallstange), sodass beide Enden frei nach unten hängen. Der „U“-Docht bildet später zwei Kerzen gleichzeitig – oder du trennst ihn am Ende und erhältst zwei Stabkerzen.
Vorwachsen: Tauche den Docht 1× komplett ein, ziehe ihn heraus, streiche ihn mit zwei Fingern kurz gerade (Vorsicht: warm) und lasse ihn hängen, bis er fest ist. Ab jetzt „führt“ der Docht deine Kerze – und nicht umgekehrt.
3) Wachsbad einstellen: Temperatur-Logik statt Zahlenstress
Bienenwachs wird bereits um 62–65 °C flüssig, fürs Kerzenziehen ist das Wachsbad jedoch oft etwas wärmer angenehmer, damit die Schichten dünn und gleichmäßig werden. Die richtige Zone erkennst du nicht an einer „magischen Zahl“, sondern an der Schicht: zu heiß = kaum Aufbau, alles läuft ab. zu kühl = dicke, unruhige Schicht.
Stelle dir die perfekte Zone so vor: Beim Herausziehen bleibt ein feiner Film, der nach wenigen Sekunden matt wird und dann stabil aushärtet. Wenn du nach 5–10 Tauchgängen keinen Aufbau siehst: minimal wärmer. Wenn du Tropfnasen und „Ringe“ bekommst: minimal kühler.
4) Ziehen in Schleifen: so bleiben deine Kerzen gerade
Jetzt beginnt der meditative Teil. Wiederhole: eintauchen (komplett, gleichmäßig) → herausziehen → kurz abtropfen → hängen lassen, bis die Oberfläche fest ist → nächster Tauchgang.
Geheimtipp (Geradeziehen ohne Stress): Nach jedem 3.–5. Tauchgang die Kerze ganz kurz zwischen den Handflächen rollen, als würdest du „wärmen“. Nicht drücken – nur leicht glätten. Das nimmt kleine Wellen raus, ohne die Schicht zu zerstören.
Wenn du zwei Kerzen am U-Docht ziehst: Achte darauf, dass beide Seiten gleich oft und gleich tief getaucht werden – sonst werden sie unterschiedlich dick.
5) Wie oft eintauchen? (die praktische Antwort)
Die Frage „Kerzen ziehen – wie oft eintauchen?“ lässt sich am besten mit einem Gefühl beantworten: Du ziehst, bis die Kerze die gewünschte Dicke hat. Als Orientierung:
- Feine, schlanke Stabkerzen: ca. 20–35 Tauchgänge
- Standard-Stabkerzen: ca. 35–60 Tauchgänge
- Sehr dick / rustikal: 60+ Tauchgänge (nur wenn Temperatur/Rhythmus stabil sind)
Wenn die Kerzen fertig sind: Enden begradigen (z. B. kurz auf ein warmes Brett drücken), ggf. U-Docht trennen, Docht auf ca. 5–7 mm kürzen – und dann Erstbrand mit Ruhe testen (Kerze im Blick behalten).
Variante: Kerzen ziehen aus Kerzenresten (Upcycling ohne Chaos)
Aus Kerzenresten ziehen ist perfekt, wenn du viel „Kerzen-Gold“ zuhause hast. Die wichtigste Regel ist hier: erst sortieren, dann filtern.
- Sortieren: Duftkerzen-Reste getrennt von neutralen Resten. Farben getrennt, wenn du ein sauberes Ergebnis willst.
- Filtern: Alles mit Dochtstücken, Deko, Ruß gehört vor dem Ziehen durch Sieb/Tuch.
- Viskosität: Reste können unterschiedlich reagieren – arbeite mit kleineren Bädern und justiere die Temperatur in kleinen Schritten.
Kerzen ziehen mit Kindern? (ehrlich und sicher)
Kerzenziehen ist faszinierend – aber heißes Wachs ist nichts für kleine Hände. Wenn Kinder dabei sind, gilt: Erwachsene führen das Wachsbad, Kinder dürfen (je nach Alter) bei sicheren Teilaufgaben helfen (Dochte zuschneiden, Stange halten, Kerzen aufhängen – unter Aufsicht und mit Abstand zum Wachs).
FAQ: Kerzenziehen (Bienenwachs & Kerzenreste)
Welcher Docht für Bienenwachskerzen ziehen?
Es gibt nicht „den einen“ Docht: Er hängt von Kerzendicke, Raumzug und Wachs ab. Starte mit 2–3 Dochtgrößen aus einem Set, mache einen Erstbrand-Test und passe dann an. Wenn die Flamme rußt oder zu groß ist, ist der Docht meist zu stark.
Bienenwachskerzen ziehen Temperatur: welche ist richtig?
Bienenwachs schmilzt um 62–65 °C – fürs Ziehen arbeitest du so, dass die Schichten gleichmäßig aufbauen. Wenn kaum Wachs hängen bleibt: etwas wärmer. Wenn dicke Kanten/Tropfen entstehen: etwas kühler. Das Thermometer ist hier der schnellste Weg zu reproduzierbaren Ergebnissen.
Kerzen ziehen ohne Kerzenziehmaschine – klappt das wirklich?
Ja. Ein hoher Topf im Wasserbad, eine Aufhängestange und ein stabiler Rhythmus reichen völlig. Der Unterschied zur Maschine ist weniger „Qualität“, sondern Geschwindigkeit – die Technik bleibt gleich.
Kerzenreste einschmelzen und neue Kerzen machen – was ist der häufigste Fehler?
Nicht zu filtern. Dochtstücke und Ruß machen das Wachsbad unruhig und können das Brennverhalten verschlechtern. Sortieren + Filtern spart dir später 80% der Probleme.